Den eigenen Ruf verweigern – Ein Erfahrungsbericht

Den eigenen Ruf nicht nur wahrzunehmen, sondern ihm auch zu folgen bedeutet, die Komfortzone zu verlassen. Es mag verlockend sein, den Ruf zu ignorieren und im scheinbar sicheren Hafen zu verweilen: In deiner Alltagsroutine, die zwar zu klein für dich ist, aber zumindest bekannt und damit sicher. Doch der Preis dafür ist oft hoch. Ein Erfahrungsbericht.

Was passiert, wenn wir dem eigenen Ruf nicht folgen?

Ich hatte schon lange gespürt dass die Leitung des Lerngangs “Pioneers of Change” nicht ganz mein Platz ist und dass etwas anderes, etwas eigenes danach drängte, von mir in die Welt gebracht zu werden. Doch es gab so viele gute Gründe bei dieser spannenden Organisation zu arbeiten, dass ich den Ruf ignorierte. Ich erfuhr viel Sinn in meinem Tun und hatte das Gefühl, ganz nah dran zu sein an dem, was ich in die Welt bringen wollte. Dass knapp daneben auch vorbei ist, gestand ich mir erst Jahre später ein. Ich erlebte mich bei den Modulen in meiner Kompetenz, ich hatte richtig viel Freude mit den Menschen zu arbeiten, die Lerngangsleitung verschaffte mir viel Ansehen und ein geregeltes Einkommen.

Also blieb ich, obwohl ich die leise aber beständige Stimme in mir wahrnahm, die mir davon abriet, weiter dabei zu bleiben. Ich spürte, dass mich eigentlich etwas anderes rief. Und ich spürte, wie sich mein Bauch anspannte wenn ich an meine Arbeitt dort dachte. Und doch blieb ich. Ich sagte zu, den Lerngang ein weiteres Jahr zu leiten. “Denn es ist doch so nett dort, ich mag doch die Arbeit dort wirklich, da sind doch so viele Entwicklungspotentiale, und es wäre doch schade jetzt aufzuhören, was ich begonnen hatte dort aufzubauen”. Mit der Entscheidung weiterhin in der Lerngangsleitung zu bleiben nahmen die bis dahin nur gelegentlich auftretenden Magenschmerzen zu. Wannimmer ich hineinlauschte, was mir dieses ewige Drücken im Magen sagen wollte, schoss mir der Satz “Hör auf bei den Pioneers!” in den Kopf. Aber ich blieb. “Denn hey, die Leute da sind doch echt super und zumindest hast du dort eine gute Arbeit und wer weiß ob du auch ohne eine große Organisation im Rücken ein sicheres Einkommen schaffst. Und außerdem werde alle schlecht über dich reden wenn du jetzt abspringst”. Die Schmerzen nahmen zu, und ebenso die Intensität der inneren Stimme die mich rief, etwas anderes zu tun.

Ich traute mich erst, ganz zu meiner Wahrheit zu stehen und den sicheren Hafen dort zu verlassen, als aus meinen gelegentlichen Magenschmerzen der Verdacht wurde, dass mir ein Magengeschwür wächst. Als meine Ärztin sagte, dass wir eine Bauchspiegelung machen müssen, fasste ich endlich den Mut, schrieb eine lange Email an die Organisation und teilte ihnen mit, dort nicht mehr arbeiten zu wollen. Zwei Tage nachdem ich diese Email geschrieben habe, waren alle Schmerzen verschwunden und sind seitdem auch nicht mehr wieder gekommen.

Die Weisheit der Symptome

Wenn wir unserer inneren Weisheit nicht vertrauen und folgen, so lässt sie sich immer drastischere Möglichkeiten einfallen, uns ihre Botschaft mitzuteilen. Körpersymptome und Gefühle wie Frust, Anspannung oder Stress, und auch Streit und Ärger können Ausdruck davon sein. Ich hatte noch nie in meinem Leben so viele Konflikte und so viel schlechte Laune wie in der Zeit, als ich an einem Platz verharrte, von dem ich spürte dass er nicht meiner ist. Und ich fühlte mich noch selten so friedlich und befreit als ich endlich in aller Konsequenz das durchzog, wozu mein innerer Ruf mich aufforderte.

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